Zivilcourage – aber richtig!

Immer wieder liest man, dass Menschen weg sehen, wenn sie Zeuge einer Straftat werden - sei es ein Raub, eine Körperverletzung oder eine Sachbeschädigung. Doch jeder von uns kann Opfer werden und ist dann vielleicht selbst auf fremde Hilfe angewiesen.

Was bedeutet das Wort „Zivilcourage“ eigentlich? Es setzt sich aus dem lateinischen Wort civilis, was bürgerlich heißt, und dem französischen Wort courage, welches Mut bedeutet, zusammen.

Natürlich sind Menschen unterschiedlich und es gab immer schon Personen, die Zivilcourage zeigen, genauso wie jene, die lieber wegschauen. Leider steigt in den letzten Jahren die Zahl derer sehr deutlich, die nicht über Zivilcourage verfügen. Verständlicherweise fürchten sich die Menschen vor Konsequenzen wie Angriffe gegen sie und Verletzungen. Leider gibt es auch immer wieder Fälle, in denen beherzte Personen ihren Einsatz mit Verletzungen oder sogar mit dem Leben büßen müssen und das schreckt natürlich vor couragiertem Einschreiten ab.

Wir vom Verein Nachbarschaftshilfe Sicherheit möchten jedoch an die Bürgerinnen und Bürger appellieren, wieder Mut zu fassen und Zivilcourage zu zeigen. Oberste Priorität hat natürlich auch für uns, dass dabei Helfer und unbeteiligte Dritte nicht zu Schaden kommen. Daher finden Sie hier Tipps, wie man Zivilcourage richtig anwendet. Vorweg möchten wir eine Strafbestimmung in Erinnerung rufen, die für jedermann gilt, aber oftmals nicht bekannt ist: Der § 95 Strafgesetzbuch „Unterlassung der Hilfeleistung“ verpflichtet jedermann dazu bei einem Unglücksfall oder einer Gemeingefahr die zur Rettung eines Menschen aus der Gefahr des Todes oder beträchtlichen Körperverletzung oder Gesundheitsschädigung offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten. Widrigenfalls droht eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder eine beachtliche Geldstrafe (bis zu 360 Tagessätzen). Sollte die Unterlassung der Hilfeleistung den Tod eines Menschen zu Folge haben, so droht sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Lediglich Personen, welchen diese Hilfeleistung nicht zugemutet werden kann, sind nicht zu bestrafen.

Zu Ihrem eigenen Schutz und dem Ihrer Mitbürger beachten Sie daher folgende Tipps:

  • Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie Sie persönlich reagieren können, wenn Zivilcourage gefordert ist. Damit haben Sie die Möglichkeit im Ernstfall ruhig und besonnen vorzugehen.
  • Helfen Sie, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Es ist wichtig, dass Sie die Situation richtig einschätzen und sich selbst nicht der Gefahr aussetzen vom Täter persönlich attackiert zu werden. Oft genügt es, wenn der Täter lautstark aufgefordert wird von seiner Tat abzusehen oder ihm mitgeteilt wird, dass die Polizei bereits unterwegs ist. Dabei muss man selbst den Täter nicht unbedingt körperlich berühren oder sich ihm in den Weg stellen.
  • Fordern Sie andere Unbeteiligte auf, ebenfalls Hilfe zu leisten. So ist es oft möglich einen Angreifer von seiner Tat abzuhalten, zumal er erkennt, dass er plötzlich einer größeren Menschenmenge gegenüber steht. Darüber hinaus kann man sich die Tätigkeiten aufteilen: Eine Person ruft die Polizei, eine beobachtet, eine holt anderwärtig Hilfe, außerdem können zweckmässige Allianzen unter dem Motto – „gemeinsam sind wir stark“ gebildet werden. Dabei sprechen Sie potentielle Helfer unbedingt gezielt an.
  • Beobachten Sie die Situation genau. Ist ein Täter flüchtig, dann verfolgen Sie diesen nicht, sondern beobachten Sie diesen aufmerksam (aus sicherer Entfernung).
  • Merken Sie sich Einzelheiten betreffend Täter und Tatwerkzeuge. Damit ist es der Polizei leichter möglich einen Täter im Nachhinein zu identifizieren.
  • Verständigen Sie sofort die Polizei über den Notruf 133 und geben Sie den Tatort/Einsatzort bekannt.
  • Kümmern Sie sich um die Opfer und leisten Sie erste Hilfe.
  • Bleiben Sie am Tatort bis die Polizei eintrifft und stehen Sie dieser als Zeuge zur Verfügung.

Abschließend möchten wir Sie daran erinnern, dass Sie selbst lautstark um Hilfe rufen sollten, wenn Sie in einer Notsituation sind. Es hält sich hartnäckig der Irrglaube, dass es besser sein soll „Feuer“ zu rufen anstatt um Hilfe zu schreien, da Unbeteiligte darauf angeblich besser reagieren. 
Wir empfehlen Ihnen jedoch ausdrücklich das Wort „Hilfe“ zu verwenden. Es gibt hilfsbereite Mitmenschen und es ist wichtig, diesen die beste und richtige Information und damit die Chance zu geben, rasch zu reagieren. Fälschlicherweise „Feuer“ zu rufen würde diese Menschen verwirren. In dem Moment wo erkannt wird, dass es tatsächlich nirgends brennt, wird die Situation logischerweise nicht als gefährlich angesehen und die Aufmerksamkeit couragierter Mitmenschen wird sinken. Es müssten erst Mutmaßungen angestellt werden, was eigentlich mit dem Ruf „Feuer“ gemeint ist, dies senkt die Wahrscheinlichkeit von raschem und richtigem Einschreiten.
Hilfe bedarf keiner zusätzlichen Erläuterungen. Wir alle wissen, was damit gemeint ist und haben so die Chance richtig und rasch zu reagieren, um unsere Mitmenschen vor größeren Schäden zu bewahren.